Lebenszeit und – geld

Als ich gestern in der Früh zur Arbeit fuhr, traf ich irgendwann auf einen Lastwagen, der, als hätte er alle Zeit der Welt, entspannt vor mir hertuckelte, während ich ungeduldig mit den Fingern auf das viel zu kalte Lenkrad trommelte. Das ist sonst nicht meine Art, eher bin ich diejenige, die von anderen mit Karacho überholt wird.

Gestern jedoch ist mir wieder sehr deutlich klar gewordern, wie viel Lebenszeit von mir wirklich dafür in Anspruch genommen wird, um zu einem Job zu kommen, der finanziell auch nicht gerade sonderlich gut entlohnt wird. Natürlich gibt es Menschen, die noch wesentlich längere Fahrwege in Kauf nehmen (werden die dann auch angemessen bezahlt?) und ja, ich habe mir die Arbeitsstelle auch selber ausgesucht.

Traurig ist es trotzdem, wenn ich feststelle, dass ich in den 1,5 Stunden so viel mehr machen könnte, sie für mich oder meine Gemeinschaft nutzen und die „verlorene“ Zeit mit dem füllen könnte, was mich ausfüllt. Im Auto kann schlecht nebenbei am Laptop gearbeitet werden…

Passenderweise habe ich gerade dazu letztens einen interessanten Beitrag verfolgt, bei dem es um eine Alternative zum herkömmlichen Geldverdienen ging – das Geben und Nehmen von der eigenen Lebenszeit. Dabei wird ein Zeitkonto angelegt, auf dem die Lebensstunden festgehalten werden, die einem entweder von anderen zur Verfügung gestellt werden – durch Hilfstätigkeiten wie beispielsweise Tapezieren, Putzen, Kochen, Kinder betreuen u.ä. – und die ich selbst an andere vergebe, ebenfalls in Form von Tätigkeiten. Der Ursprungsgedanke basiert also auf dem Tauschprinzip. Um das rechtliche abzusichern wird die „Transaktion der Lebenszeit“ von beiden Tauschpartnern bestätigt, sodass abgesichert ist, dass keiner so tut, als ob er Stunden gegeben hätte, die er aber nicht gegeben hat. Zudem ist einsehbar, wie viel Stunden von wem gegeben und genommen wurden.

Eine spannende Sache – auch wenn mir gerade der Gedanke an Michael Endes „Momo“ und die Grauen Herren kommt, welche den Menschen ihre Lebenszeit klauen. Aber wird uns nicht Lebenszeit geklaut, wenn wir von der Arbeit kommen und die Hälfte der Strecke mit 40 km/h einem Tracktor hinterherzuckeln müssen? Um dann festzustellen, dass passenderweise die Bahnschranken heruntergelassen sind und an der Kasse vor dir mindestens 20 Wartende stehen?

Lebenszeit ist so ein kostbares Gut, über das viele wahrcheinlich zu wenig nachdenken oder das Verhältnis des Gebens und Bekommens einfach unverhältnismäßig verteilt ist.

Das auszudiskutieren überlasse ich anderen, denn das war jetzt nur ein kleiner morgendlicher Impuls, die Gedanken wollten unbedingt hierher! In diesem Sinne zum Abschluss noch ein passendes Werk dazu…

Geld regiert die Welt

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